heilpflanze im porträt
Alant
Sonnenkraft für die Wechseljahre
Mit seinen großen, strahlend gelben Blütenköpfen sieht der Alant aus wie eine kleine Sonne auf hohem Stängel. Kaum eine Pflanze verkörpert Wärme und Licht so unmittelbar – und vielleicht ist gerade das ein Grund, warum ihr in der Volksheilkunde seit jeher stimmungsaufhellende, seelenwärmende Kräfte nachgesagt werden. In einer Lebensphase wie den Wechseljahren, die für viele Frauen mit innerer Unruhe, Erschöpfung und einem stimmungsmäßigen Auf und Ab verbunden ist, lohnt der Blick auf diesen alten Korbblütler.
Namen & HerkunftWie die Pflanze zu ihrem Namen kam
Der Alant (Inula helenium) gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Er trägt eine ganze Reihe volkstümlicher Namen, die viel über seinen früheren Gebrauch verraten: Altwurzel, Brustalant, Großer Heinrich, Gottes Auge und Helenenkraut, aber auch Darmwurz, Edelwurz oder Odinskopf.
Der botanische Artname helenium verweist auf die schöne Helena aus der griechischen Sage. Einer Überlieferung nach soll der Alant dort gewachsen sein, wo Helenas Tränen auf die Erde fielen – ein Bild, das gut zu den seelenwärmenden Eigenschaften des sonnenhaften Krauts passt. Der Gattungsname Inula wird gelegentlich mit „reinigen“ in Verbindung gebracht; die Herleitung ist allerdings nicht eindeutig geklärt.
Steckbrief
- Lateinischer Name
- Inula helenium
- Familie
- Korbblütler (Asteraceae)
- Verwendete Pflanzenteile
- Wurzelstock mit Wurzeln (Helenii rhizoma bzw. Radix Inulae), getrocknet
- Wirkrelevante Inhaltsstoffe
- Inulin (bis ~40 %), ätherisches Öl mit Sesquiterpenlactonen (Alantolacton, Isoalantolacton – historisch als Helenin bzw. Alantkampfer bezeichnet), Bitterstoffe, Triterpene, Sterole
- Heileigenschaften
- schleimlösend, hustenreizlindernd, verdauungsfördernd, traditionell menstruationsfördernd
Verwendete PflanzenteileDie Kraft steckt in der Wurzel
Heilkundlich bedeutsam ist allein der Wurzelstock mit den Wurzeln. Er wird im Herbst oder zeitigen Frühjahr ausgegraben, gereinigt, in Stücke geschnitten und getrocknet. Die dicke, fleischige Wurzel duftet aromatisch und schmeckt zunächst süßlich, dann deutlich bitter und leicht scharf.
Ihre Wirkung verdankt sie vor allem dem Inulin – einem Ballaststoff-Vielfachzucker, der im Herbst bis zu rund 40 % der Wurzel ausmachen kann und 1804 sogar erstmals überhaupt aus dem Alant isoliert wurde – sowie dem ätherischen Öl mit seinen Sesquiterpenlactonen, die den charakteristischen, kampferartigen Duft prägen. Dazu kommen appetit- und verdauungsanregende Bitterstoffe.
HeilwirkungWas der Alant kann
Traditionell und phytotherapeutisch steht der Alant vor allem für seine Wirkung auf die Atemwege: Er gilt als schleimlösend und auswurffördernd, hustenreizlindernd sowie entzündungshemmend und antimikrobiell. Über seine Bitterstoffe wirkt er zudem verdauungsanregend, und traditionell wird ihm eine menstruationsfördernde Wirkung zugeschrieben.
Zur ehrlichen Einordnung: Der Alant ist eine der ältesten dokumentierten Heilpflanzen überhaupt – schon Dioskurides und Theophrast empfahlen ihn. Ein Teil der beschriebenen Anwendungen beruht jedoch auf Erfahrungsheilkunde und ist wissenschaftlich nicht durch kontrollierte Studien abgesichert.
In der FrauenheilkundeSonne für Körper und Gemüt
Der Sage nach soll der Alant aus den Tränen der schönen Helena entstanden sein, als diese um ihren Geliebten weinte. Möglicherweise ist das ein feiner Hinweis auf die seelenwärmenden und stimmungsaufhellenden Kräfte, die man dem sonnenhaften Korbblütler nachsagt.
In der Volksmedizin wird die bitter schmeckende Wurzel bis heute unter anderem gegen Angstzustände und Melancholie gebraucht. Gerade in den Wechseljahren, in denen niedergedrückte Stimmung, innere Kälte und Erschöpfung häufig auftreten, knüpft die Erfahrungsheilkunde an dieses „sonnige“ Wesen der Pflanze an. Die menstruationsfördernde Wirkung ordnet den Alant traditionell zudem den Frauenkräutern zu.
Im AyurvedaEin Tonikum für die Lunge
In der ayurvedischen Tradition wird der Alant vor allem als Lungen-Tonikum geschätzt: Er soll die Lungenmuskulatur kräftigen, Wasseransammlungen aufnehmen und Schwellungen abbauen. Darüber hinaus gilt er als stärkend für das Nervensystem und als unterstützend für den Fettstoffwechsel. Nach ayurvedischer Lehre verringert er die Doshas Vata und Kapha, während er Pitta vermehrt.
Aus der KräuterkücheZwei Rezepte für den Wechsel
Rezept · Weinauszug
Alantwein für den Wechsel
Der Alantwein dient bei leichten Wechseljahrsbeschwerden vor allem als Begleitmittel zu anderen, hormonell regulierenden Maßnahmen – etwa dem Verzicht auf Kaffee oder Jodsalz bei Schweißneigung – und ergänzt Pflanzenöstrogene aus Rotklee, Silberkerze oder Soja.
- getrocknete Alantwurzel50 g
- guter Rotwein0,7 l
- Honig2–3 TL
- Alantwurzel mit dem Rotwein in einen Topf geben und unter Umrühren kurz aufkochen lassen.
- Auf kleinster Flamme etwa 5 Minuten köcheln lassen, dann vom Herd nehmen und zugedeckt allmählich abkühlen lassen.
- Im lauwarmen Zustand mit dem Honig süßen und abseihen.
- In die gesäuberte Weinflasche zurückfüllen. Im Kühlschrank hält sich der Auszug einige Wochen.
Anwendung: Zur Linderung leichter Wechseljahrsbeschwerden kurmäßig zwei- bis dreimal täglich ein Likörgläschen trinken. (Enthält Alkohol.)
Rezept · Teemischung
Menstruationsfördernde Teemischung
Eine schlichte Zweikräutermischung, die sich vor allem für Frauen ab etwa 35 eignet, deren Menstruationsblutung allmählich zu versiegen droht.
- Andornkraut (Herba Marrubii)50 g
- Alantwurzel (Radix Inulae)50 g
- Die Kräuter mischen. Pro Tasse (200 ml) 1–2 Teelöffel mit heißem Wasser überbrühen.
- Etwa 10 bis 12 Minuten ziehen lassen, dann abseihen.
- Zwei Tassen täglich trinken – am besten jeweils ab Zyklusmitte.
Hinweis: Besonders geeignet, um in der Phase der nachlassenden Blutung den Zyklus zu unterstützen.
Gut zu wissen
Bei aller Sonnenkraft gehört zur ehrlichen Darstellung auch dies: Die Sesquiterpenlactone des Alants können bei empfindlichen Menschen allergische Hautreaktionen auslösen, auch Kreuzreaktionen mit anderen Korbblütlern sind möglich. Größere Mengen können die Schleimhäute reizen und Magen-Darm-Beschwerden verursachen. Wegen der menstruationsfördernden Wirkung ist in der Schwangerschaft Zurückhaltung geboten. Wer den Alant innerlich anwenden möchte, sollte das behutsam, maßvoll dosiert und im Zweifel nach fachkundiger Beratung tun.
